Meines Lebens Ende [za-lit015]

Autor: Querald Mismuth
Verfassungsdatum: 1856
Veröffentlichung: 03.10.2006
Länge: 3 Seiten
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Diese Seiten wurden von Querald Mismuth im Alter von 5 Jahren, also im Jahre 1856 verfaßt. Seine Mutter war über die literarische Wertlosigkeit des Produzierten dermaßen empört, daß sie Querald kräftig den Hintern versohlte. Außerdem mußte er an diesem Tag ohne Abendessen ins Bett gehen, eine gerechte Strafe, wie die geneigte Leserschaft bestätigen wird.

Leseprobe:

Des Leides voll und kaum leidlich, so kann der Lauf meines Lebens in aller Kürze wiedergegeben werden, denn nun, da es sich neigt und mit zielstrebiger Sicherheit jenem Schlunde zustrebt, der es einst in die undurchdringliche Finsternis des ehedem gewesenen bereitwillig aufnehmen wird, kann ich mich schwerlich dem Drange entziehen, der auf den Welkenden wirkt, noch einmal einen Blick auf all das Vergangene zu werfen, das mir kaum Freuden aber über alle Maße Ungemach und Qualen bereitet hat. Auf jenen Zustand also, der zwar Leben genannt, jedoch kaum jener Frische und jener Freude an der Entfaltung und des Schaffens und Hervorbringens nahe kommt, welche mit diesem Worte oftmals in Verbindung gebracht werden. „Das blühende Leben“, diese geflügelten Worte, die oftmals geschrieben und gehört, ein Gleichnis darstellen sollen, für jenen Zustand, welcher alle verbindet, die in der Lage sind, jene Worte zu hören und zu lesen, und doch gleichsam ein Hohn als Beschreibung der Lage unzähliger jämmerlicher Individuen, welche mit solch schändlichen Phrasen gequält und behelligt werden. Das Erblühen, die Freude, das Lachen, das Glück – nur mit Verachtung und größter Überwindung ist es mir möglich diese beschämenden Ausgeburten der Sprache auf jenem Papiere festzuhalten, welches geduldig und stumm all die Schändlichkeiten zu ertragen hat, die aus dem verzweifelten Geiste durch die Feder auf dieses Blatt noch sickern mögen. Denn wer vermag zurückzublicken und zu sagen: „Es war gut“, wer kann behaupten sein Schicksal nicht verwirkt und sich selbst erniedrigt und mit Schande überhäuft zu haben. Wer kann den Kranz des Gerechten für sich beanspruchen, ohne innerlich vor Scham zu vergehen, ob der Falschheit, die mit jenem Anspruche Hand in Hand geht. Wer vermag sich zu erheben aus dem Morast, der schon in jungen Jahren unsere Füße schmeichelnd umspült und in den wir immer tiefer sinken, bis wir gänzlich im ekelhaften Sumpfe versinken und schließlich in beißendem Gestanke erbärmlich nach Luft röchelnd, elend vergehen und unseren unwürdige Atem im Schwefeldampfe aushauchen.

Mehr? Hier das vollständige Leiden Queralds: za-lit015.pdf