Der Vagabund [za-lit016]

Autor: Querald Mismuth
Verfassungsdatum: 1791
Veröffentlichung: 05.07.2009
Länge: 6 Strophen

Leider hat sich Querald Mismuth im Jahr 1791 auch als Lyriker versucht, zum blanken Entsetzen von Publikum und Kritik. Völlig zurecht blieb auch in dieser Literaturgattung jeglicher kommerzieller, sowie künstlerischer Erfolg aus und seine Mutter musste ihm wieder einmal kräftig den Hintern versohlen.

Der Vagabund

von Querald Mismuth

Nun bin ich ganz verkommen und recht entstellt
Die Würd’ ist mir genommen auf dieser Welt
So muß ich mich denn grämen
Mich meines Anblicks schämen
Denn nichts ist mir geblieben von Ehr und Geld

Mein Leib, bedeckt mit Krätzen, ist keine Pracht
Ich hülle ihn in Fetzen, schleich durch die Nacht
Würd’ ich mich auch beleben
Ich müßt’ mich übergeben
In meines eignen Elends Anbetracht

Mein Schuh ist längst zerschlissen, der Weg ist weit
Die Kleider sind zerrissen, vor langer Zeit
Ich wünscht, ich könnte nähen
Ließ mich auch wieder sehen
So bleiben mir nur Leiden und Einsamkeit

Es plagen mich die Fliegen an jedem Ort
Ich wehre mich mit Hieben und jag’ sie fort
Ich wollt gern besser riechen
Wollt, ich könnt mich verkriechen
Doch muß ich mich entehren durch Fliegenmord

Ich steh vor euch im Regen, gebeugt und lahm
Man trieb mich fort mit Schlägen, von wo ich kam
Hatt’ einst ein Haus mit Kind und Dirn
Nun bräucht’ ich einen Regenschirm
Doch ist mir nichts geblieben, als Weh und Harm

Die Welt hat mich verstoßen von ihrer Brust
War einst einer der Großen voll Lebenslust
Nun rieche ich nach Moder
Betrinke mich mit Gschloder
Doch zeitigt auch das Gschloder nur Leid und Frust